Bedingungslose Liebe trennt nicht
Wenn uns eine Handlung oder Vorstellung eines Gegenübers nicht gefällt, dürfen wir unsere Grenze setzen, Verantwortung für uns selbst übernehmen, indem wir ihm offen und ehrlich mitteilen, was wir darüber denken, welche Gefühle in uns auftauchen und wie unser Körper darauf reagiert ohne Schuldzuweisung.
Wichtig hierbei ist es, zu der „Handlung“ eine Grenze zu setzten, aber nicht den Menschen selbst zu begrenzen bzw. zu verurteilen oder abzulehnen, sondern nach seinem Beweggrund für seine Handlung und Vorstellung zu fragen. Denn erst die Frage danach, lässt uns diese Handlung verstehen, auch wenn manchmal dann Antworten fehlen, unklar sind oder uns nicht gefallen.
Ich kann ihn bitten, über meinen Wunsch nach Veränderung nachzudenken, aber ihn in seinem Menschsein und auch in seinem Wunsch dieser Handlung akzeptieren. Diese Bitte kann durchaus viel Mut erfordern, weil es sehr schmerzhaft sein kann, die unangenehmen Emotionen, die in uns dabei ausgelöst werden können, zu halten.
Jeder wird nachfühlen können, was ein „nein“ in uns auslösen kann. Für mich macht es keinen Sinn mehr, mich anzupassen, eine Reaktion und Handlung eines anderen Menschen zu erdulden oder darüber zu schweigen, nur um den Schmerz der Ablehnung oder bei Nichterfüllung meines Wunsches oder Bedürfnisses nicht wiederholt zu erfahren.
Bewusst sich dem zu stellen, was für mich nicht stimmig ist, genau diese bewusste Entscheidung, macht verletzlich und wird mich anschließend vor einem möglichen tiefen auftretenden Schmerz nicht schützen können, aber befreien.
Denn wenn keine Annäherung, kein Kompromiss oder eine andere Möglichkeit gefunden werden kann, können wir uns davon distanzieren, aber wir müssen uns nicht von dem Menschen selbst distanzieren oder trennen, auch wenn es erst einmal schmerzhaft sein kann.
Nur weil ein anderer Mensch nicht das macht, was wir uns „für uns“ wünschen, kann ein aufrichtiges Miteinander noch sein. Offensichtlich ist es aus der Sicht des anderen genauso. Gegenseitige Akzeptanz schafft ein aufrichtiges Miteinander.
Es mag zwar sein, dass sich die Beziehungsebene verändert, so dass aus einer beginnenden romantischen Beziehung, eine freundschaftliche Beziehung entsteht oder aus einer Zweckbeziehung sogar eine partnerschaftliche Beziehung oder ggf. eine Beziehung, die auseinander geht und nicht mehr hält.
Sobald wir allerdings im Kontakt mit dem Menschen an einer Erwartung oder Hoffnung auf Veränderung hängen bleiben, also nicht akzeptieren, annehmen und loslassen, oder womöglich versuchen den andere zu manipulieren, mag eine Distanzierung zum Menschen notwendig zu oder ggf. eine Trennung der Beziehung unabwendbar sein.
Es ist sicher herausfordernd in unseren Beziehungen, egal ob Partner, Freund, Kollegen oder Familie unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse offen und ehrlich zu kommunizieren. Und es bedarf einer gewissen Reife und Lebenserfahrung, um wertschätzend mit diesen Unterschieden umzugehen, da zu bleiben, wenn Emotionen, die in uns aufkommen, zu halten und selbstverantwortlich damit zu sein.
Ich denke, je mehr ich selbst Klarheit über meine Bedürfnisse, Wünsche und individuelle Persönlichkeit habe, ich weiß, wer ich bin, was mich ausmacht, wie ich reagiere und handle, was meine Werte sind, umso einfacher wird es sein, gute Entscheidungen zu treffen, bei der jeder in seinem Menschsein akzeptiert und wertgeschätzt wird.
Sich selbst zu halten in Situationen, in denen unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht erfüllt werden, verbunden mit sich selbst zu bleiben, ist ein Weg der Selbstliebe und der bedingungslosen Liebe zu unserem Gegenüber. Und das ist bei Weitem nicht einfach.
Möge es gelingen.
"Bedingungslose Liebe ist tiefe Verbundenheit mit Dir selbst."