Glückgefühl im Unglücklichsein 

Bild von Adi Goldstein aus Unsplash

„Glück im Unglücklichsein zu erleben wird zur Freiheit eines ganz natürlichen Menschseins. Alles darf sein - frei und unverstellt!“

Guten Tag lieber Mensch,

Eine 80iger Party verspricht ein Aufleben von prägenden Jugenderinnerungen. Zeiten, in denen ich mich verbunden fühlte - so hatte ich es mir gewünscht. Verlorenheit traf mich jedoch wie die zeitweise Melancholie einer Jugendlichen und ließ mich einfach nicht so richtig Ankommen unter den Erwachsenen.

Es lag vermutlich an meiner eigenen GrundStimmung an diesem Abend, die sich eher nach motivierenden und haltenden Menschen sehnte, als nach gedankenlosem Vergnügen. Ich bin trotzdem los - einfach machen, ist zu meiner Haltung geworden, die Türen öffnet.

Der DJ hat gute Musik aufgelegt, obwohl ich zeitweise den Original-Flow der 80iger Lieder vermisst habe, was ich schade fand. Er hat die Lieder mit dem immer gleichen Rhythmus von „bumbum“ gemixt. Ob das tanzbarer war? Ja offensichtlich - die Tanzfläche war immer voll. Entweder hat aber die Altersvergesslichkeit bei der reiferen Generation schon eingesetzt oder es ist die Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht, die sie das hinnehmen lassen und sich mit dem abfinden, was geboten wird.

Ich erkenne mich nicht wieder, sonst aus einer bewussten Gelassenheit zufrieden und mit der Haltung von Selbstverantwortlichkeit und Annahme was ist, stänkere ich rum, urteile, meckere und verbreite miese Stimmung, beobachte kritisch die 80iger-Jahre Outfits, trinke ein weiteres Bier, suche gleich gestimmte, finde sie auch und gehe kampfeslustig auf den DJ zu, um meinen unerbittlichen Wunsch nach Nostalgie einzufordern. Belustigte Blicke treffen mich - er gibt nach, um wieder sein Ding zu machen.

Die Lokation war super, neonfarben geschmückt, aber auch das brachte keine Farbe in mein Gemüt. Nur wenn die umherfliegenden Luftballons mir jetzt den Atem nehmen würden, dachte ich, dann hat die Latexallergie einen Nutzen und ich könnte wenigstens meine Unzufriedenheit laut keuchend zum Ausdruck bringen. Es gibt offensichtlich echt viele Menschen, die hier Spaß haben, nur ich nicht. Wo ist das Feuer der 80iger und was lässt mich gerade Brennen?

Ja, zwischendurch hatte ich auch gute, kurze und aufmunternde Gespräche mit Bekannten. Trotzdem bin ich mit einem Gefühl von Einsamkeit und Traurigkeit nach Hause gefahren. In der Bahn musste ich plötzlich weinen, was die jungen PartyMenschen wohl etwas verunsichert haben muss, weil sie fluchtartig das Weite suchten. Öffentlich Weinen macht also noch einsamer. Warum Lachen verbindet und warum weinen trennt, überlasse ich dir, dies zu beurteilen.

Ich war froh, dass mich am Busbahnhof mein Auto erwartete und mich sicher nach Hause brachte. Also dafür scheint es dienlich zu sein - Geborgenheit  in einem in die Jahre gekommenem Schrottauto - Nostalgie pur. Beim Bremsen knatterte es aufrüttelnd - wenigstens spricht irgendjemand mit mir, war ein Gedanke im Moment der Unaufmerksamkeit - ich fand es äußerst aufmerksam. Ich fühlte mich sicher begleitet von dem fast meditativen Stöhnen der Scheibenwischer - meine Augen konnten trotzdem nicht klarer sehen.

Das eiskalte Erdnusseis hat mir dann den Rest der Nacht erträglicher gemacht und meine brennenden Emotionen und Fragen an das Leben auf ein normal zuträgliches Temperament reguliert. Mit dem Gedanken, dass zwar nicht alles im Leben immer zufrieden und glücklich macht, aber ich immer etwas entdecke, was mich glücklich macht, bin ich in einen zufriedenen Schönheitsschlaf geglitten.

Das Träume allerdings nicht immer schön machen, erkenne ich morgens beim Blick in den Spiegel - der schwarze Kajal hat sich unter meinen Augen breit gemacht und ich bin augenblicklich glücklich in nostalgischen Gedanken an das jugendliche Drama gestern und - ich lebe noch und lache losgelöst.

Was ein verrückter Abend und doch hat es in mir eine Erkenntnis zurechtgerückt: das größte Glück ist, meine Gefühle und Gedanken nicht mehr zu unterdrücken und schon gar nicht mehr zu bewerten, dazu zu stehen und auch zeigen zu können und das auch in Situationen, in denen es für andere befremdlich ist.

Glück im Unglücklichsein zu erleben wird zur Freiheit eines ganz natürlichen Menschseins. 
„Alles darf sein und ich lebe frei und unverstellt“!

Let‘s Partytime - an jedem Tag, finde dein Glück auch im Unglücklichsein und werde frei.
Möge es gelingen.

Herzlichst Claudia 💚
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Bild von Marek Studzinski aus Unsplash


 


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